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Die 6 häufigsten Vorurteile gegenüber Qualitätsmanagement

Via Certqua • Andreas Orru
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Aus Sicht von Unternehmen ist Qualitätsmanagement meist nur ein lästiges Add-on, das zwar notwendig, aber auch kostenintensiv ist. Häufig führt diese Haltung zu Mißverständnissen und Vorurteilen gegenüber den Aufgaben und die Wirkung des Qualitätsmanagements. Folgender Beitrag zeigt die gängigsten Vorurteile und wie diese ausgeräumt werden können.

6 gängige Vorurteile gegenüber Qualitätsmanagement

 

1.    Qualitätsmanagement steigert nicht den Wert eines Unternehmens 

Viele Unternehmen sehen nur die Kosten eines Qualitätsmanagements, aber erkennen nicht den Wert, den es für Unternehmen bringen kann. Wertsteigerung lässt sich nicht durch die Einsparung von Kosten erzielen. Vielmehr steigert sich der Wert eines Unternehmens durch Prozessverbesserungen. Damit steigt auch die Qualität und Folgekosten können minimiert werden.                                                                      

2.  Ganzheitliches Qualitätsmanagement ist zu teuer

Viele Unternehmen sind zwar bestrebt Fehler einzudämmen, schrecken aber vor einem ganzheitlichen Qualitätsmanagement mit null Fehlern zurück, weil sie meinen, dass dies zu teuer sei. Hier besteht jedoch die Frage ob eine durchschnittliche Qualität ausreicht, um einen langfristigen Erfolg zu erzielen. Unternehmen sollten sich daher fragen, ob eine Null-Fehler-Qualität unerreichbar ist oder ob es sich um ein realisierbares Ziel handelt, das sich langfristig sogar rechnet. Gerade bei neuen Produkten und Dienstleistungen ist ein ganzheitliches Qualitätsmanagement erfolgsentscheidend, da in den Prozessen noch keine Routine besteht.

3.    Qualitätsmanagement erzielt keine große Veränderung

Häufig herrscht das Vorurteil vor, dass Qualitätsmanagement keine bahnbrechenden Veränderungen bewirkt und sich nur auf das Prüfen von Prozessen beschränkt. Geht man aber Qualitätsmanagement professionell und umfassend an, wirkt sich dies positiv auf das Image des Unternehmens und dessen Positionierung am Markt aus. Nur positive Veränderungen können die Zukunftsgestaltung eines Unternehmens vorantreiben.

4.    Qualitätsmanagement ist ein Einzelprojekt

Die Vorstellung, dass Qualitätsmanager Dokumentenberge im stillen Kämmerlein isoliert von allen anderen Abteilungen prüfen ist längst überholt. Qualitätsmanager nehmen ganz im Gegenteil eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen allen Abteilungen des Unternehmens ein. Nur so lassen sich die ganzheitliche Qualitätsorientierung im Unternehmen und eine umfassendere Fehlervermeidung realisieren.

5.    Qualitätsmanager sind Aktenkrämer

Das Vorurteil, dass Qualitätsmanagementbeauftragte Bürokraten sind, stammt noch aus der Zeit der Qualitätssicherung. Damals fungierte der QMB nur als Auditor, der mit einer Strichliste durch das Unternehmen ging und Sachverhalte abhakte. Heute ist sein Aufgabengebiet jedoch mehrdimensionaler. Aus den erkannten Soll-Ist-Abweichungen muss er Konsequenzen für das Unternehmen ableiten und damit positive Veränderungen anstoßen. Der Qualitätsmanager von heute ist Experte in Sachen Qualität und Impulsgeber für Veränderungen.

6.    Gemessene Qualität entspricht immer der vom Kunden wahrgenommenen Qualität

Da der Kunde das Produkt kauft oder die Dienstleistung in Anspruch nimmt, ist er die Richtschnur für Qualität. Die gemessene Qualität des Qualitätsmanagements muss dann nicht immer der vom Kunden wahrgenommenen Qualität entsprechen. Um die Differenz zwischen gemessener und wahrgenommener Qualität zu messen, ist ein regelmäßiges Kundenfeedback notwendig. Dies spiegelt die wahrgenommene Qualität wieder.

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Kuratiert
am 03.08.2015 von
Kim Heinz

Andreas Orru ist seit 1996 Geschäftsführer der CERTQUA – Gesellschaft der Deutschen Wirtschaft zur Förderung und Zertifizierung von Qualitätssicherungssystemen in der beruflichen Bildung mbH. Er ist Experte im Bereich Qualitätsmanagement für Bildungsorganisationen. Nach seinem Studium der Soziologie sowie Rechtswissenschaft mit dem Schwerpunkt Industrie- und Organisationssoziologie an der Universität Bielefeld war er als Lehrbeauftragter im Bereich Internationales Qualitätsmanagement an der Universität Düsseldorf tätig.

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