7 Dinge die man bei der Revision ISO 9001:2015 beachten muss

Via CERTQUA GmbH QM-Blog • Andreas Orru
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Im September 2015 wird die neue ISO 9001:2015 veröffentlicht. Mit dem Draft International Standard (DIS) liegt aber heute schon ein Entwurf vor, aus dem man die wichtigsten Änderungen der DIN ISO 9001:2015 herauslesen kann. Es geht vor allem um 7 Handlungsfelder, die von Qualitätsverantwortlichen neu überdacht werden müssen.

1. QM-System strategisch in die Organisation einbinden

Zukünftig wird das Qualitätsmanagementsystem in die strategische Ausrichtung der Organisation eingebunden. Wichtig dafür ist, dass die Qualitätspolitik und die Qualitätsziele mit der Unternehmensstrategie vereinbar sind. Die Geschäftsführung steht hier in der Verantwortung, dies zu überwachen. Neu ist auch, dass die Unternehmen erfassen müssen, welche internen und externen Belange (z.B. gesetzliche, wettbewerbliche etc.) Einfluss auf Ziele, Strategie und Ergebnis des QM-Systems haben.

2. Kundenorientierung um weitere Zielgruppen erweitern

Eine reine Orientierung auf die Zufriedenheit von Kunden, gehört der Vergangenheit an. Zukünftig fordert die Revision ISO 9001:2015 eine Festlegung von für das QM-System relevanten interessierten Parteien und deren Anforderungen. Diese können neben Kunden z.B.  Mitarbeiter, Lieferanten, Kooperationspartner oder Kostenträger etc. sein. Die neue Norm erweitert hier die Kundenorientierung um weitere Zielgruppen, die in den Fokus des Qualitätsmanagements rücken sollen. Unternehmen müssen dabei unter die Lupe nehmen, welche Auswirkungen die Parteien auf die Konformität von Produkten und Dienstleistungen haben.  

3. Prozessorientierung rückt in den Mittelpunkt

Die Revision ISO 9001:2015 legt größeres Augenmerk auf den prozessorientierten Ansatz und fordert ein umfassendes und systematisches Prozessmanagement. Die Norm gibt auch Hinweise darauf, was bei der Festlegung der Prozesse bestimmt werden soll: Prozessergebnisse, die erwartet werden, Leistungsindikatoren zur Prozesslenkung, Verantwortungen und Befugnisse sowie Risiken und Chancen, die Auswirkungen auf die Prozesse haben könnten.

4. Oberste Leitung erhält mehr Verantwortung

ISO 9001:2015 überträgt der Unternehmensleitung mehr Verantwortung. Diese soll die Leistungsfähigkeit des QM-Systems überwachen und die anderen Führungskräfte in ihrer Rolle für das QM-System stärken. Sie sollen Mitarbeiter so anleiten und unterstützen, dass sie zur Wirksamkeit des QMS beitragen können. Der Qualitätsmanagementbeauftragte wird dagegen nicht mehr explizit gefordert. Dadurch bleibt mehr Raum, um das Qualitätsmanagement flexibel umzusetzen.

5. Risiken systematisch managen

Ganz neu ist die Forderung nach einem systematischen Umgang mit Risiken und Chancen. Unternehmen müssen zukünftig Risiken und Chancen identifizieren, analysieren, bewerten sowie Gegenmaßnahmen planen, umsetzen und ihre Wirksamkeit kontrollieren. Eine Anleitung, wie Unternehmen das Risikomanagement gestalten können, bietet ISO 9001:2015 jedoch nicht.

6. Wissen sammeln und verfügbar machen

Wissen ist in der heutigen Wirtschaft ein entscheidender Erfolgsfaktor. Auch die Revision der ISO 9001 bezieht diesen Umstand in ihren Forderungskatalog mit ein. Ein systematisches Wissensmanagement wird fester Bestandteil eines QM-Systems nach ISO 9001:2015. Dazu gehört, das notwendige Wissen zur Durchführung der Prozesse festzuhalten, aufrechtzuerhalten und für alle Mitarbeiter verfügbar zu machen. Wie auch zum Risikomanagement gibt ISO 9001:2015 keine Vorgaben, wie die Umsetzung des Wissensmanagements auszusehen hat. Vielmehr ist darauf zu achten, ein für das jeweilige Unternehmen passende Wissensmanagement aufzubauen.

7. Digitale QM-Dokumentationen sind im Kommen

Ein klassisches QM-Handbuch, häufig noch in Papierform, wird mit der Revision nicht mehr explizit gefordert. Die Norm passt sich hier einer modernen Verwaltung an, in der Dokumentationen häufig EDV- oder webbasiert abgebildet werden, an. Ein ausgedrucktes Handbuch ist dafür nicht mehr zwingend erforderlich und praktikabel. Dokumente und Aufzeichnungen werden zudem nicht mehr unterschieden. Sie erhalten die Bezeichnung "dokumentierte Information" und werden in der EDV hinterlegt.

Fazit

Einerseits wachsen die Anforderungen an die oberste Leitung sowie an die Qualitätsverantwortlichen und andererseits gesteht die Revision der Umsetzung mehr Flexibilität zu. So können Qualitätsverantwortliche die Gunst der Stunde nutzen, um bestehende QM-Systeme weiterzuentwickeln und feste Strukturen zu hinterfragen. 

Bild des Benutzers Kim Heinz
Kuratiert
am 27.04.2015 von
Kim Heinz

Andreas Orru über die 7 Handlungsfelder, die nach der ISO 9001:2015 von Qualitätsmanagern neu bedacht werden müssen.

Andreas Orru ist seit 1996 Geschäftsführer der CERTQUA – Gesellschaft der Deutschen Wirtschaft zur Förderung und Zertifizierung von Qualitätssicherungssystemen in der beruflichen Bildung mbH (www.certqua.de). Er ist Experte im Bereich Qualitätsmanagement für Bildungsorganisationen. Nach seinem Studium der Soziologie sowie Rechtswissenschaft mit dem Schwerpunkt Industrie- und Organisationssoziologie an der Universität Bielefeld war er als Lehrbeauftragter im Bereich Internationales Qualitätsmanagement an der Universität Düsseldorf tätig.

https://www.youtube.com/watch?v=MV3iqXU5srU

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